Höfinger Mühlen I


In der amtlichen Beschreibung der 'Dorfschaft Hoevingen' vom Jahre 1782 im Staatsarchiv Bückeburg heißt es in dem § 3: 'Es fließt durch dieses Dorf eine Bache, so von dem Dorfe Haddeßen und Bentzen kommt, diese treibet 3 Mühlen, des Haegers Mühle über dem Dorfe, Sempffs Mahl- und Schneide Mühle oben im Dorfe und Bergmanns Mühle unten im Dorfe, fließet von da durch die Stiftskuhweyde, der Mühlenkamp genannte, nach dem Dorfe Fisbeke zu, übrigens befinden sich zwey Brunnen auf Beisener Nr. 7 und Johann Willhausen Nr. 12 Hofe, dessen sich die Einwohner meistens, wie auch des Wassers aus angeführter Bache zum Kochen und vor das Vieh bedienen, da nun diese Bache jedesmaßen mit genügsamen Wasser versehen ist, so haben die Einwohner mithin an Wasser keinen Mangell.'

§ 22 sagt: 'Mahlmühlen sind Nr. 8 Johann Hener Haeger, Nr. 6 Johann Hener Sempff und Nr. 11 Heinrich Bergmann, welche erblich sind.' Aus den Steuerlisten (Schatzregistern), die die Schaumburger Grafen 1561 durch ihre Vögte aufstellen ließen, erfahren wir in Verbindung mit der Flurkarte von 1773 noch mehr: Die Mühle Nr. 6 ist im frühen Mittelalter, im 5. bis 11. Jahrhundert entstanden und wird als Mahl- und Schneidemühle bezeichnet. Es war die erste Mühle unseres Dorfes. Die Haeger Mühle entstand gegen Ende des Mittelalters im 14. und 15. Jahrhundert. Die Mühle Nr. 11 wurde zwischen 1675 und 1700 als Schleifmühle gegründet und um 1700 von Johann Kapmeyer zur Mahlmühle gemacht. 1782 wird Heinrich Bergmann als Besitzer genannt, daher oft die Bezeichnung 'Bergmanns Mühle'.

Seit Menschengedenken war man bemüht, aus Korn Brot herzustellen. Dazu musste das Korn aber zerkleinert werden. Das erste Korn (Getreide), das zum Brotbacken verwendet wurde, war Weizen. Ursprünglich wurde das Getreide mit der Hand zwischen zwei Steinen zerrieben. Das war eine mühevolle und zeitraubende Arbeit. Dann erfand man die Handmühle. Jahrhunderte vorher war schon das Mahlen von Getreide mit Hilfe von Mühlsteinen bekannt. Man erfand den Mahlgang und auch die Mühle. Hier lassen wir einen Bericht von Heinrich Severith von Nr. 6 folgen:

'Der Mahlgang bestand aus zwei runden, übereinander liegenden Steinen, die einen Durchmesser von 90 bis 160 cm und eine Höhe von 20 bis 40 cm hatten. Als Mahlsteine verwendete man zuerst vorwiegend Sandsteine, die aus Steinbrüchen aus Sachsen, Böhmen, Württemberg, Frankreich und auch aus Obernkirchen kamen. Die Herkunft bestimmte die Härte der Steine. Später kamen noch Süßwasserquarz und Basaltsteine hinzu. Die Steine wurden je nach Größe aus einem Stück oder aus Teilen zusammengesetzt. Die Teile wurden mit Alaun verbunden und noch mit Eisenbändern oder Ringen umgeben.

Der untere Stein liegt fest auf dem Boden, während der obere Stein durch eine Achse von unten zum Drehen gebrach wird. Die aufeinanderliegenden Steinseiten sind mit Rillen versehen, die das Zerkleinern des Kornes bewirken. Diese Rillen, die man Schärfe nennt, müssen oft nachgearbeitet werden, damit der Stein scharf bleibt. Die Steine sind mit einer Holzverkleidung umgeben.

Auf dieser Holzverkleidung ist ein kleiner Trichter mit Rütteleinrichtung angebracht. Von hier gelangt das Mahlgut, angefangen vom ganzen Korn, durch den oberen Stein, der in der Mitte ein großes Loch hat, zwischen die Steine, wo es dann gemahlen wird. Um den oberen Stein zu bewegen, nutzte man die Wasserkraft durch ein Wasserrad aus. Darum wurde die Mühle an einen Wasserlauf – Bach – gebaut. Der Bachlauf wurde gestaut bzw. ein Teich angelegt, um immer genügend Wasser für das Wasserrad zu haben. Ein Wasserrad hat einen Durchmesser bis zu sechs Metern und eine Breite von einem Meter. Da das Wasserrad immer im Wasser ist, wird es aus grünem, frischem Buchenholz gebaut. Nur die Achse, die einen Durchmesser bis zu 60 cm hat, ist aus einem Eichenstamm. Die Achse des Wasserrades ist so lang, dass sie in das Mühlengebäude reicht. Hier im Gebäude ist auf der Achse noch ein großes Zahnrad befestigt, von wo aus dann weitere Zahnräder und Wellen für den Antrieb des Mahlganges sorgen.

Diese Kraftübertragungsmittel waren nötig, damit sich die Steine mit der Geschwindigkeit von 200 Umdrehungen pro Minute drehten, während sich das Wasserrad nur fünfmal pro Minute drehte.

Das Korn musste ca. sechsmal durch die Steine laufen, bis es Mehl war. Um einen Zentner Mehl zu mahlen, brauchte man zu jener Zeit drei bis vier Stunden. Mit der Zeit wurde die Müllerei verbessert. Musste man zuerst das Mahlgut, wenn es einmal durch die Steine gelaufen war, wieder hochtragen, um es erneut durchlaufen zu lassen, bis es Mehl war, baute man später hierfür einen Elevator ein. Dann wurde eine Siebmaschine gebaut. Dadurch erreichte man, dass das Mehl besser von dem Schrot (Kornschale) getrennt wurde. Hiermit erhielt man helles Mehl, und der Kuchen, der davon gebacken wurde, sah viel besser aus. Die Siebmaschine und Mahlgänge wurden laufend weiter entwickelt.

Durch die Verbesserung in der Mühle wurde immer mehr Kraft gebraucht. Die Wasserräder wurden teilweise durch Wasserturbinen ersetzt. Da nun auch die Dampfmaschine als Arbeitsmaschine erfunden worden war, wurde diese zusätzlich angeschafft. So konnten die Abfälle aus der Sägemühle genutzt werden, die in der Dampfmaschine gleich verbrannt werden konnten. Die Sägemühle, in der auch schon ein Horizontalgatter lief, wurde kurz nach 1920 schon mit einem Vollgatter erweitert.

Die Technik war nun soweit fortgeschritten, dass nicht nur Wasserräder, Wasserturbinen, Dampfmaschinen als Antrieb dienten, sondern es waren auch schon Rohölmotoren vorhanden. Danach folgten auch bald die Elektromotoren. Der Mahlgang wurde durch den Walzenstuhl, der seit 1880 gebaut wurde, verdrängt. Die Arbeitsweise des Walzenstuhles ist gleich der des Mahlganges. Statt der Steine zermahlen Stahlwalzen das Korn. Auch die Walzen sind mit einer Schärfe bzw. Riffeln versehen. Der Vorteil des Walzenstuhles besteht darin, dass er weniger Kraft als ein Mahlgang bracht und auch besser und ruhiger arbeitet.

Bis zum zweiten Weltkriege wurden die Mühle und das Sägewerk weiter modernisiert. Nach dem Kriege hatten die drei Mühlen und Sägemühlen viel zu tun. Aber nach 1950, als die neu aufgebauten Großmühlen liefen, begann für die Kleinmühlen das große Mühlensterben. Von den drei Mühlen ist heute keine mehr in Betrieb. Auch die Sägemühle ist den modernen Sägewerken gewichen.'

Schon lange klappert in unserem Dorfe keine Mühle mehr am rauschenden Bach. Aber die zahlreichen Müller– und Mühlenlieder werden in fernen Zeiten noch klingen, wenn auch die Menschen das Zeitliche gesegnet haben, die persönlich noch die romantische Zeit der Mühlen miterlebt haben. Wir nennen einige Lieder: 'Es klappert die Mühle', 'Das Wandern ist des Müllers Lust', 'Dort unten in der Mühle', 'Guten Morgen schöne Müllerin', _Müller, Müller, mahle ...'