Kampf um Höfingen (aus der Dorfchronik)


In den letzten Kriegsmonaten wurde unser Dorf noch in die erbitterten Kampfhandlungen einbezogen.

Die Amerikaner standen Ende März bereits vor Hameln. Bei Ohr hatten amerikanische Panzerverbände längst die Weser überwunden und Hildesheim und Braunschweig besetzt. Seit dem 30. März (Karfreitag) befanden sich die deutschen Truppen auf dem Rückzug durchs Wesertal. Da Hameln bereits in amerikanischer Hand war, blieb ihnen der Weg über Hameln versperrt, nur die sogenannte 'Berliner Heerstraße', die ehemalige Poststraße von Kleve bis Memel, stand für den Rückzug noch offen. Zuerst waren es Rote Kreuz- und Marketenderwagen, dann kamen Munitionskolonnen, und nach dem 1. April (Ostern) folgten auch Panzer und Truppeneinheiten, die Tag und Nacht die Straßen füllten. [..]

Die in Höfingen seit dem 1. April einquartierte Nachrichtenabteilung zog am Donnerstagmorgen (5. April) auch in Richtung Hasperde weiter. Die Höfinger atmeten auf und glaubten sich sicherer. Sie hatten sich aber getäuscht. Die durchs Wesertal zurückrollenden deutschen Panzer- und Truppenverbände und Munitionskolonnen wurden von der feindlichen Luftwaffe verfolgt und täglich in Gefechte verwickelt. Infolge Motorschadens oder wegen Brennstoffmangel blieben mehrere der schweren Panzer an der Straße liegen. So stand seit dem 4. April abends am Westeingange von Höfingen, unmittelbar vor den ersten Häusern, ein schwerer Panzer. Er war von der Bergungsmannschaft durch eine Sprengladung zerstört, wodurch an den nächsten Häusern Fensterscheiben in Trümmer gingen und Dächer beschädigt wurden. Ein Halbkettenfahrzeug mit Kriegsmaterial lag am Ostausgange vor dem Hause Fritz Henze in Richtung Pötzen. Mitten im Dorf Pötzen, gegenüber der Schmiede, stand ein schwerer Panzer, daneben auch ein mit Handgranaten und Panzerfäusten beladener Munitionswagen. So musste für die über Höfingen und Pötzen kreisenden feindlichen Aufklärer am Donnerstag, dem 5. April, der Eindruck einer stark verteidigten Ortschaft entstehen. Plötzlich waren die Jagdbomber (Jabos) da, die sowohl die Panzer wie auch die benachbarten Häuser, in denen sie die Bedienungsmannschaften vermuteten, mit Bordwaffen und Bomben belegten. Es dauerte nicht lange, da standen am Westeingange von Höfingen die Häuser Nr. 9 (Bußmeier) und Nr. 48 (Stummeier) in hellen Flammen. Dem schnellen Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr Höfingen, die mit ihrer Motorspritze die Brände bekämpfte, war es zu verdanken, dass nur die Dachstühle herunterbrannten. Dem Löschtrupp gehörten an: Heinrich Peter als Maschinist, Frieda Sempf, Lieschen Werner, Annchen Matthias, Friedchen Kohlwig, Lina Schaper, Irmgard Gerberding, Minna Peter und Hanna Dohme. Da nur wenige Männer zur Verfügung standen, muss man um so mehr den verantwortungsbewussten, tatkräftigen Einsatz der Frauen hervorheben.



Zur gleichen Zeit erhielt das Dorf auch Artilleriebeschuss von der linken Weserseite aus, wodurch der Hof Nr. 1 (Ferdinand Dohme) einen Treffer bekam und die Weide und die angrenzenden Äcker vom Hof Nr. 2 zahlreiche Granateinschläge aufwiesen. Das Halbkettenfahrzeug, das am Ostausgange von Höfingen verlassen dastand, wurde von Tieffliegern mit Bomben und Brandmunition belegt, so dass es ausbrannte. Dabei erhielt das in der Nähe stehende Wohnhaus (Nr. 46) von Fritz Henze mehrere Treffer und brannte lichterloh. Ebenso wurde auch Dach und Fenster von Nr. 25 (Heinrich Werner) beschädigt. Die Feuerwehr, die am Westausgange bei den brennenden Häusern stark beschäftigt war, konnte nun nicht gleichzeitig auch bei den etwa 1 km entfernten Bränden am Ostausgange sein. Heinrich Werner von Nr. 25 legte kurzentschlossen seine Feuerwehruniform an und versuchte mit seinem Sohn Heinz und Heinz Henze zu retten, was unter diesen Umständen möglich war. Sie mussten mit Wasser aus Eimern gegen das Feuer ankämpfen und mit Beil und Hacke den Weg zu den Geräten und Gegenständen freihauen. Bis auf einen Schrank, eine Waschkommode und einen Ofen konnte alles gerettet werden. Das Haus brannte völlig aus.

Ein auf der Straße nach Pötzen im Abschnitt 'Auf dem Westernfelde' fahrender Munitionswagen, der mit vier Pferden bespannt war, wurde beim Anflug der Jabos von der Mannschaft schnell verlassen. Sie nahmen in Gräben Deckung. Die vier Pferde waren ein leichtes Ziel und lagen bald tot auf der Straße. Auch ein Mann der Begleitmannschaft fand den Tod. Er wurde im nahen Süntelwalde, oberhalb Haddessens, bestattet und nach einigen Jahren nach Hameln überführt. [...]

Zwei Tage später, am 7. April, erschien gegen 12 Uhr eine amerikanische Aufklärungsabteilung, bestehend aus drei Panzerspähwagen und fünf Jeeps, von Hameln kommend, in Holtensen. Wenige Stunden vorher war hier noch eine Gruppe der Dessauer Fahnenjunkerschule aufgetaucht. Die Fahnenjunker waren aufs höchste empört, dass an einigen Häusern schon weiße Fahnen hingen. Sie suchten nach dem Bürgermeister, und als sie ihn nicht finden konnten, zogen sie weiter. So traf die amerikanische Aufklärungsabteilung die Fahnenjunker nicht mehr an. Unbehelligt fuhren die Amerikaner durch Unsen, Welliehausen über die Pötzer Landwehr in das Dorf Pötzen, hielt bei der Gastwirtschaft Brandt und erkundigten sich, ob deutsche Soldaten im Dorfe wären. Als das verneint wurde, fuhren sie langsam in Richtung Höfingen weiter.

Während dieser Ereignisse erschien beim Bürgermeister Ferdinand Sempf, Nr. 15, ein deutscher Offizier, Hauptmann Stamm, Kommandeur der Fahnenjunkerschule Braunschweig, der seinen Befehlsstand am Hohenstein hatte, und meldete, dass er den Befehl habe, mit einer Kampftruppe der Fahnenjunkerschule das Dorf Höfingen zu verteidigen. Alles Bitten und Reden des Bürgermeisters und anwesender Gemeinderatsmitglieder, von diesem Vorhaben wegen der Gefahr für Leben und Eigentum der Einwohner Abstand zu nehmen, war vergeblich. Hauptmann Stamm erwiderte, dass er den erhaltenen Befehl auszuführen habe. Zuletzt bat der Bürgermeister, dann doch wenigstens die Kampffront nach außerhalb des Dorfes zu verlegen. Dazu erklärte der Hauptmann: 'Das ist Angelegenheit der Truppe!' Er fuhr danach zu seinem Befehlsstand am Hohenstein zurück.

Etwa zwei Stunden nach seinem Fortgange, gegen 14.30 Uhr, erschien beim Bürgermeister eine Kampftruppe, bestehend aus einem Leutnant und 36 Fahnenjunkern. Im Hause des Bürgermeisters wurde der Befehlsstand eingerichtet. Es begannen die Verhandlungen über die Quartierzuweisungen und die Verpflegung der Soldaten.

Unterdessen hatte die amerikanische Aufklärungsabteilung Texas erreicht, hielt an und fragte nacheinander Konrad Diekmann, der unterwegs nach seinem Garten war, und Heinrich Werner nach deutschen Soldaten im Dorfe. Keiner konnte Auskunft geben, und die Abteilung fuhr über die Host weiter. Bald tauchte der erste Spähwagen in der Straßenbiegung bei der Mühle von Heinrich Severith auf.

In diesem Augenblick kam mitten im Dorf gerade der Leutnant mit den Quartierzetteln aus dem Hause des Bürgermeisters, als seine Kameraden riefen: 'Amis'. Blitzschnell gingen die Soldaten in dem tiefen, die Dorfstraße begleitenden Nährenbach und hinter den Häusern in Deckung. Die Amerikaner hatten die deutschen Soldaten nicht bemerkt. Langsam rollten die Fahrzeuge weiter ins Dorf hinab. Erst als der erste Panzerspähwagen einen Warnschuss abgab, eröffneten die deutschen Soldaten aus ihren Deckungen das Feuer. Es begann eine heftige Schießerei. Als der erste Panzerspähwagen in Panzerfaust-Schussnähe herangekommen war, sauste ihm eine Panzerfaust in die Räder, so dass er bewegungslos liegen blieb. Auch zwei Jeeps wurden zerstört. Die Besatzungen stiegen aus und suchten Deckung. Dann zogen sich die Amerikaner schnell zurück. Die Besatzung des ersten Spähwagens ließ Fahrzeug und Waffen im Stich und entfernte sich zum Finnenberg in Richtung Hameln. Der zweite Spähwagen konnte noch wenden und eilte mit den übriggebliebenen Fahrzeugen über die Host zurück in Richtung Texas.

Inzwischen war Texas von einer Gruppe deutscher Soldaten besetzt worden, die zufällig auf einem LKW von Haddessen gekommen war, um Verpflegung zu holen. Ihr Führer, ein junger Leutnant, befahl, die schon herausgehängten weißen Fahnen zu entfernen und schrie: 'Panzerfäuste vor! Wir ergeben uns nicht'. Die Soldaten besetzten den Bunker von Heinrich Gerberding.

Als der Rest der amerikanischen Aufklärungsabteilung sich aus dem Dorfe zurückzog und im Hostweg einfuhr, gab der vordere Spähwagen den ersten Schuss auf Hermann Peters und den zweiten auf Heinrich Henzes Haus ab. Die deutschen Soldaten empfingen die Amerikaner mit Panzerfäusten. Der eine Spähwagen blieb bei Karl Meier, Nr. 30, im Garten liegen, zwei Soldaten der Besatzung wurden schwer verwundet und starben bald darauf. Auch die restlichen Fahrzeuge wurden zerstört. Die Amerikaner, die noch gehen konnten, liefen der Hochspannung nach in Richtung Holtensen-Hameln. Den dritten Spähwagen nahmen die Deutschen mit nach Haddessen, wo er zwei Tage bei dem Bauern Wilhelm Holste im Schuppen stand. Eine amerikanische Kolonne, die später durch das Dorf kam, führte ihn zurück.

Bei den Kämpfen waren an diesem Tage im Ort Höfingen sechs deutsche Soldaten verwundet worden. Sie wurden im Keller des Bürgermeisters, wo die Verbandsstelle für Erste Hilfe eingerichtet war, von Laienhelferinnen verbunden und abends mit den verwundeten amerikanischen Gefangenen nach Hessisch Oldendorf gebracht.

Zu diesen Ereignissen am 7. April berichtet Heinz Waltemathe von Nr. 16, geb. 31.8.1935, noch folgendes: 'Eigentlich wollte unsere Familie in Anbetracht der herannahenden Gefahren für unser Dorf am späten Samstagnachmittag des 7. April in den Wälder am Hohenstein Schutz suchen. Es sollte aber anders kommen. Am frühen Nachmittag, etwa gegen 15 Uhr, standen wir an der Dorfstraße vor unserem Hause und schauten ins Dorf hinunter. Beim Hause des Bürgermeisters hatten wir deutsche Soldaten beobachtet. Plötzlich kamen von rechts um die Straßenbiegung ganz langsam zwei amerikanische Panzerspähwagen und ein Jeep herangerollt. Die Soldaten auf dem ersten Fahrzeug gaben uns ein Zeichen, dass wir verschwinden sollten. Obwohl ich damals noch sehr jung war, kann ich mich an die Ereignisse jener Tage noch gut erinnern. Wir eilten ins Haus und hatten eben die Kellertreppe erreicht, als ein Warnschuss des ersten Panzerspähwagens die Luft erzittern ließ. Darauf setzte eine heftige Schießerei ein. Wie vernahmen, wie zwei amerikanische Soldaten ins Haus stürmten und im Flur Schutz suchten, was zur Folge hatte, dass die deutschen Soldaten ihr Feuer auf unser Haus richteten. Wir hörten Geschosseinschläge und Fensterscheiben zu Bruch gehen. Dann wurde es ruhiger, und wir vernahmen Stimmen deutscher Soldaten. Die Amerikaner hatten sich zuzrückgezogen, und die deutschen Soldaten beherrschten das Dorf. Als wir uns nach oben wagten, sahen wir die Einschläge in den Wänden und im Schrank auf dem Flur. In der Küche bedeckten Glassplitter die Essensvorräte auf dem Tisch, die schon für den Abend zum Mitnehmen in den Wald bereitgestellt waren. Zwei deutsche Soldaten erklärten uns, dass wir sofort das Haus verlassen müssten, da ein gegenüberliegender Panzerspähwagen gesprengt werden sollte. Darauf verließen wir mit dem Nötigsten das Haus, liefen die Dorfstraße hinunter, vorbei an einem ausgebrannten amerikanischen Jeep in Höhe des Hauses vom Bürgermeister. Wir fanden im Keller des Hofes Nr. 2, von Heinrich Roßkam, eine Bleibe. Unser Großvater wollte aber seine zwei Kühe nicht im Stich lassen und zog mit den Kühen am Abend noch in den nahen Finnenberg, wo schon einige Nachbarn Zuflucht gefunden hatten. Wir übrigen, etwa 15 Personen, verbrachten die Nacht im Keller auf dem Hof Nr. 2. Die Nacht verlief ruhig.'


Artillerieschäden am Hof Bartling / Lemke (Foto 2014)


Für den Sonntag nach Ostern (8. April) befürchteten die Höfinger das Schlimmste. Darum hatten am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag fast sämtliche Einwohner, mit dem Notwendigsten versehen, ihre Häuser verlassen, um in den benachbarten Dörfern bei Verwandten und Bekannten oder im Süntel und im Finnenberge den bevorstehenden Kampf um Höfingen abzuwarten und zu überstehen. Nur etwa 25 bis 30 Personen waren zurückgeblieben, die dann in Kellern und Bunkern die schweren Stunden am Sonntagvormittag durchleben mussten.

Die Deutschen hatten von Haegersmühle bis zum Ortsrande und auch im Dorfe Stellungen bezogen. Sie waren jedoch nur mit leichten Waffen ausgerüstet und vermochten gegen die Panzer nur wenig auszurichten. Für die Verwendung der Panzerfaust war die Entfernung zu groß.

Heinz Waltemathe berichtet weiter: 'In der Frühe des Sonntags, am 8. April, gegen 5 Uhr, machten wir uns auf den Weg zum Finnenberg. Unsere Verwandten aus Hameln, die bei uns in Höfingen Schutz gesucht hatten, zogen es jedoch vor, zu Fuß über Fischbeck nach Hameln zurückzugehen. Während wir zum Finnenberg hochgingen, drang von Osten her schon das dumpfe Grummeln der anrollenden amerikanischen Panzer herüber. Am Waldrande standen mehrere Höfinger. Ihre Blicke waren ängstlich ins Dorf hinunter gerichtet. Der größte Teil der Schutzsuchenden hielt sich in der tiefen Schlucht am Rande des 'Kleinen Finnenberges' auf. Das Gedröhne der Panzer kam nun schon von Pötzen her immer näher. So um 6 Uhr rollten die ersten Panzer in den Hostweg. Drei bis vier Panzer blieben hier zurück und bezogen auf der 'Obersten Host', östlich der Höfinger Schule, Stellung. Zwei weitere Einheiten von je drei bis vier Panzern nahmen auf der 'Untersten Host' Aufstellung, und zwar hinter unserem Hause, Nr. 16, und Albrecht, Nr. 17, und auf Roßkams Hostbrink hinter dem Hause des Bürgermeisters Ferdinand Sempf, Nr. 15. Im ganzen waren wohl 12 bis 15 Panzer in Stellung gegangen. Um 6.30 Uhr begann dann ein starker, etwa vier Stunden dauernder Beschuss des ganzen Dorfes mit Brand- und Sprengmunition. Bald stand das Dorf in hellen Flammen. Es war ein schauriger Anblick. Plötzlich erhielten wir am Waldesrand Feuer, und zwar von deutschen Soldaten aus der Höfinger Schule, offensichtlich nahmen diese an, dass am Waldesrande Amerikaner lagen. Unter uns wurden aber Stimmen laut, dass Amerikaner zu uns heraufkommen könnten und dass wir weiter in den Wald müssten. So liefen wir fast alle bis in die Wurzelgrund. Plötzlich setzte auch noch Artilleriebeschuss von Hameln her ein. In kurzen Abständen heulten Granaten über uns und den Finnenberg hinweg in unser Dorf. So kame es zu Gebäudeschäden bei Christian und Heinrich Tegtmeier (Nr. 51 und Nr. 50) und August Eikermann (Nr. 21).

Wie sich später herausstellte, wurden die Granaten in Hameln in der Nähe der Scharnhorstkaserne abgefeuert. Die Verwirrung war groß. Die Ungewissheit aber, was mit unserem Dorfe in diesen Stunden geschah, lag wie ein Alpdruck auf uns allen.' [..]

Gegen 10.30 Uhr hörte der Beschuss auf. Zu diesem Zeitpunkt brannten rund 20 Gebäude. Amerikanische Soldaten durchkämmten das Dorf und trieben das Vieh, das noch in den brennenden Ställen war, ins Freie. Höfingen wurden von den Amerikanern besetzt. Von dem Beschuss waren am stärksten folgende Anwesen betroffen: W. Beißner, Fr. Krückeberg, Ferd. Sempf, Ferd. Dohme, H. Roßkamp, Erna Spilker, H. Schaper, Fr. Eberding, Anna Matthias., Chr. Steding, Fr. Werner, K. Kohlwig, H. Diekmann, H. Bartling, Fr. W. Bartling und Ferd. Koch. Die Scheune von Fr.W. Bartling wurde nach der Beschießung von Amerikanern in Brand gesteckt. Total durch Brand vernichtet wurden die Wohnhäuser (Fachwerk) von Fr. Eberding, Fr. Werner und H. Diekmann. Die anderen Wohnhäuser hatten meist Dachstuhlbrände erlitten. An Wirtschaftsgebäuden wurden durch Brand der Kuhstall von H. Roßkam und die Scheune von H. Schaper total vernichtet, erhebliche Schäden wiesen die Scheunen von Erna Spilker und Ferdinand Dohme auf. Drei Scheunen und drei Viehhäuser erlitten einen Dachstuhlbrand. Zu den Brandschäden an den Gebäuden kamen die Schäden durch Sprenggranaten und dergleichen noch hinzu. Auch viel Inventar wurde in Wohnräumen durch Sprenggranaten zerstört. Von 37 Hof- und Hausstellen im Dorfe (ohne Texas) sind am 8. April nur 13 verschont geblieben. Auch einige Pferde, Rindvieh und viel Kleinvieh kamen bei dem Beschuss um. [..]

Während des Beschusses kam es auch noch zu Feuergefechten zwischen den Amerikanern und den sich immer noch im Dorf aufhaltenden Fahnenjunkern. Der Kampf wurde erbittert und verbissen geführt. An der Hausecke von Nr. 53 trafen ein Deutscher und ein Amerikaner plötzlich aufeinander, der eine von rechts, der andere von links. Sie feuerten gleichzeitig ihre Pistolen ab, der Deutsche wurde durch den Stahlhelm in den Kopf und der Amerikaner in den Hals getroffen, sie verbluteten beide.

Als Heinz Waltemathe vom Finnenberge ins Dorf zurückkam, sah er die beiden toten Soldaten hinter dem Nachbarhause Nr. 53 liegen. Er erwähnte auch einen toten deutschen Soldaten im Bach gegenüber von Krückeberg und einen weiteren deutschen Soldaten, der in Texas in einem Schützenloch gefunden wurde. Das sind die vier Soldaten, die ins Feuerwehrgerätehaus gebracht und am 9. April mit einem Pferdewagen zum Finnenberg gefahren und unter der Linde bestattet wurden. Ein im Dorf zu Besuch weilender deutscher Zivilist wurde schwer verwundet. Es musste ihm ein Arm amputiert werden. Nach Beendigung des Kampfes, bei dem auch neuen Fahnenjunker in Gefangenschaft geraten waren, konnten die übrigen in Richtung Hessisch Oldendorf entweichen, wobei sie auf dem "Kalten Heister" noch einmal Schützenlöcher aushuben. Später zogen sie sich in die Wälder am Hohenstein zurück. Der Kampfverband hatte sich aufgelöst, und die weggeworfenen Waffen, Stahlhelme und Uniformstücke erinnerten noch an den letzten Einsatz im Kampf um unser Dorf Höfingen.

Das unser Ortsteil Texas bei den Kampfhandlungen am 8. April 1945 verschont blieb, ist Frau Gertrud Wergener, geb. 19.8.1907, einer Evakuierten auf Bottrop, damals wohnhaft bei Karl Knoche, Nr. 41, Texas, zu verdanken. Frau Wergener war als Schwester in den USA tätig gewesen und erst während des Krieges über die Türkei zurückgekehrt. Sie beherrschte die englische Sprache, und als in der Frühe des 8. April von Pötzen her die Panzer auf unser Dorf heranrollten, ging sie den Amerikanern entgegen und konnte den Kommandanten davon überzeugen, dass sich keine deutschen Soldaten zur Verteidigung in Texas aufhielten. Frau Wergener ist nach 1945 in ihre Heimatstadt Bottrop zurückgekehrt.

Gegen Mittag hatten sich alle Einwohner von Höfingen in ihren Ort zurückbegeben. Sofort begann man im rastlosen Einsatz mit der Bekämpfung der Brände. Zum Glück fehlte es der Feuerwehr nicht an Brennstoff (für die Motorspritze); denn Heinrich Werner hatte am 5. April (Donnerstag) vier Fass Benzin aus dem deutschen Panzer am Ortsausgange nach Pötzen sichergestellt. So packten alle an. Es galt, zu retten, was irgendwie noch zu retten war. Auch verletzte Kühe und Schweine mussten notgeschlachtet werden. Die Freiwillige Feuerwehr aus Fischbeck war herbeigeeilt und griff tatkräftig mit ein. Die Nachbarwehren in Pötzen und Haddessen hatten in ihren Orten selbst schwer zu tun. Der unermüdlichen Tätigkeit der Wehren ist es überhaupt zu verdanken, dass noch viel "Hab und Gut" gerettet werden konnte.

Am Nachmittag des 8. April formierten sich neun amerikanische Panzer zum Angriff auf Fischbeck und setzten sich in Richtung Talsperre in Bewegung. Zwei deutsche Soldaten waren in der Nähe der Talsperre in Deckung gegangen. Bevor sie jedoch eine Panzerfaust abschießen konnten, wurden sie entdeckt, und eine MG-Garbe streckte sie nieder. Die Panzer rückten ohne Widerstand in Fischbeck ein. Fünf tote deutsche Soldaten wurden an dem Nachmittage in Fischbeck aufgefunden.

Leider trug sich am Montag noch ein schwerer Unfall zu. Spielende Kinder fanden bei dem zerstörten Panzer am Westeingange unseres Dorfes eine Eierhandgranate, mit der sie spielten. Bei der Explosion wurden zwei Aachener Kinder, Peter Mallmann und Kunibert Lühnemann, lebensgefährlich verletzt und starben kurze Zeit danach. Walter Sempf mussten beide Beine im Unterschenkel amputiert werden, und Ilse Hachmeister erlitte Verletzungen am Rücken.

Die am 5. April in Texas getöteten Pferde sowie Munition wurden auf dem Acker von Hubert Bartling 'Auf dem Westernfelde' vergraben. Am 8. April erlebte auch unser Nachbardorf Haddessen einen Panzerangriff. Spätestens seit dem 7. April war den Amerikanern bekannt, dass sich in Haddessen deutsche Soldaten aufhielten, noch mehr Soldaten vermuteten sie im Süntel. So näherten sich am 8. April zwischen 6 und 7 Uhr von Pötzen her schwere Panzer, die auf den Feldern am Ostrande des 'Oberdorfes' in Stellung gingen. Hauptziel war wohl der Waldrand am Süntel, aber einzelne Treffer kamen auch ins Dorf, und drei Häuser erlitten Schäden durch Dachstuhlbrände. Nach Lehrer Hermann Peter fand in den folgenden Tagen noch einmal ein äußerst heftiger Artilleriebeschuss des Süntelwaldes oberhalb Pötzen statt, weil die Amerikaner immer noch deutsche Soldaten im Süntel vermuteten.

Pfingsten 1945 ereignete sich auch in Haddessen ein schwerer Unfall im Süntelwalde. Als Kinder mit Handgranaten spielten, wurden zwei Kinder tödlich verletzt. Am 9. April meldete der deutsche Wehrmachtsbericht, dass "unsere Truppe" nach 16-stündigen, erbitterten Kämpfen gegen starke amerikanische Übermacht den Ort Höfingen geräumt und sich planmäßig vom Feinde abgesetzt habe. Die Amerikaner berichteten, dass sie nach 48-stündigen heftigen Kämpfen den Brückenkopf Höfingen eingenommen hätten. Am Dienstag, dem 10. April, kamen etwa 100 Amerikaner ins Dorf, durchsuchten alle Häuser nach deutschen Soldaten. Sie trafen keine Soldaten mehr an, dafür ließen sie aber manches andere Wertvolle (Uhren, Schmuck u.a.) mitgehen.

Die Aufräumarbeiten im Dorfe nahmen einen schnellen Fortgang. Am 15. April wurde die Panzersperre bei Heinrich Gerberding entfernt. Die dicken Fichtenstämme schleppte Ferdinand Dohme mit seinem Trecker fort.

Dann ging es mit dem Instandsetzen der beschädigten Wohnungen los. In Gemeinschaftsarbeit wurde Großes geleistet. Dabei setzte sich Ferdinand Dohme trotz seines zerstörten Hofes mit seinem Lastzuge uneigennützig für die Heranschaffung von Baumaterialien und dergleichen ein.